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"Die wachsenden Müllberge sind überall zu sehen."

Dienstag, 24.11.2015

Interview mit dem Bundestagsabgeordneten Peter Meiwald (Bündnis 90/Die Grünen) zur DUH-Kampagne „Becherheld – Mehrweg to go“.

© Quast/DUH
© Quast/DUH


23. November 2015

Immer mehr Menschen greifen zu Einwegbechern, um ihren Kaffee unterwegs zu trinken. Doch dieser Trend hat negative Folgen für die Umwelt: Die meisten der 2,8 Mrd. Coffee to go-Becher werden nach nur 15 Minuten Benutzung weggeworfen. Damit kosten die Becher nicht nur eine Menge Ressourcen, sondern füllen Mülleimer, verschmutzen Straßen, öffentlichen Plätze oder die Natur.

Herr Meiwald, trinken Sie gerne Kaffee?

Ja, jeden Morgen und auch immer mal zwischendurch.

Als vielbeschäftigter Politiker sind doch sicher auch ein paar „Coffee to go“ dabei? Aus was für einem Becher trinken Sie Ihren Kaffee, wenn Sie unterwegs sind?

Leider ist es dann doch manchmal der einfache "Coffee to go"-Becher, aus zeitlichen Gründen bleibt mir oft nicht ausreichend Zeit, meinen Kaffee in Ruhe zu trinken. Da muss dann auch mal der Pappbecher am Bahnhof herhalten.

Wie sieht es denn hier im Bundestag mit den To go-Bechern aus? Da wird doch von vielen Kolleginnen und Kollegen zwischen den Sitzungen Kaffee getrunken.

Ja stimmt, Kaffee in den Sitzungen ist weit verbreitet. Hierfür kommt aber in aller Regel ein Kaffeewagen vorbei, der Porzellanbecher dabei hat. Zwischen den Sitzungen haben wir zum Glück meistens die Möglichkeit, uns in der Cafeteria eine richtige Tasse Kaffee zu gönnen, so dass da der Müll vermieden werden kann. Und wenn es schnell gehen muss gibt es eine  Kaffee im Büro - auch da aus der Porzellan-Tasse.

Haben Sie den Eindruck, dass sich die Kolleginnen und Kollegen der Umweltprobleme, die durch Einwegbecher entstehen bewusst sind?

Meine Kolleginnen und Kollegen bei den Grünen sehe ich meist mit richtigen Kaffeebechern - selber mitgebracht oder aus dem Büro. Bei den Kolleginnen und Kollegen der anderen Fraktionen ist es unterschiedlich. Ich glaube im Großen und Ganzen aber, dass die Debatte um die Einwegbecher inzwischen schon so präsent ist, dass die Meisten sich der Umweltprobleme mit zu vielen Abfällen bewusst sind.

Und wie sieht es mit den vielen anderen Menschen aus, die Sie als Politiker treffen? Sehen Sie in Ihrem Wahlkreis in Oldenburg auch so viele Menschen, die mit Coffee to go-Bechern unterwegs sind, wie hier in Berlin?

In den Städten ist die Ex-und-hopp-Mentalität sicherlich ausgeprägter als auf dem Land. Aber die wachsenden Müllberge sind überall zu sehen. Erst vor kurzem ergab meine Anfrage an die Regierung, dass wir in Deutschland inzwischen Europameister im Produzieren von Verpackungen sind - und auf diesen Titel können wir nicht stolz sein.

Was, glauben Sie, könnte der Handel tun, um die Becherflut zu stoppen?

Zuallererst dürfen wir in unserer Gesellschaft nicht mehr so gedankenlos mit unseren Ressourcen umgehen. Das gilt auch für den Handel. Da sind Mehrwegbecher eine gute Alternative. Es muss den Menschen aber leichter gemacht werden, diese zu nutzen. Wenn ein Becher überall zurückgegeben werden kann, zum Beispiel über ein Pfand- oder Poolsystem für Kaffeebecher, würden viel mehr Menschen auf diese Alternative zurückgreifen. Eine Umweltabgabe auf Einweg-Kaffeebecher sollte man meiner Meinung nach aber durchaus weiter diskutieren, wenn das Problem anders nicht in den Griff zu bekommen ist.

Welche Verantwortung tragen Verbraucher und Politiker für eine saubere Umwelt ohne Pappbecher?

Die Verbraucherinnen und Verbraucher sind an einer Schlüsselposition: Durch ihren Konsum können sie mit entscheiden, welche Produkte und Verpackungen hergestellt, genutzt und später weggeworfen werden. Das hat großen Einfluss auf die Umwelt. Umweltschutz fängt bei kleinen Dingen im Alltag an: Am besten die Wegwerfbecher gar nicht erst kaufen. Und wenn, dann zumindest nicht achtlos irgendwo in die Landschaft schmeißen. Generell gilt: Wenn freiwillige Maßnahmen nicht zum Schrumpfen der Verpackungsmüllberge führen, dann müssen von der Politik gesetzliche Vorgaben gemacht werden.

Was halten Sie von der Kampagne „Becherheld – Mehrweg to go“ der Deutschen Umwelthilfe? Warum wollen auch Sie ein Becherheld sein?

Ich finde die Kampagne toll! Denn sie führt allen Menschen vor Augen, wie wir im Alltag unsere Welt ein klein wenig verbessern können. Ich glaube, dass viele Leute jetzt zweimal überlegen, bevor sie zum Einweg-Becher greifen. Denn ein Umweltverschmutzer möchte niemand sein.

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