ITX-Übergang vom Getränkekarton in das Produkt
2006 deckte die Deutsche Umwelthilfe die Kontamination von Getränkekartonprodukten durch die Druckchemikalie Isoprpylthioxanthon (ITX) auf. Analysen, welche die DUH veranlasst hatte, ergaben sehr hohe Werte dieses sogenannten Photoinitiators in Kartongetränken. ITX ist eine Druckchemikalie, welche zum schnellen Aushärten der Druckfarben auf Getränkekartons verwendet wird. Substanzen aus Druckfarben können über unterschiedliche Wege auf Lebensmittel übertragen werden. Sie können durch die Verpackung (Migration) in das Füllgut eindringen, wenn keine Isolierschicht (z.B. Alufolie) vorhanden ist. Darüber hinaus können die Chemikalien auch durch den sogenannten "Abklatsch" in Lebensmittel gelangen. Bei der Lagerung auf einer Rolle (üblich bei Kartons und Folien) oder durch das Ineinanserstapeln von Bechern kommt die bedruckte Aussenseite in Kontakt mit der Innenseite. Dabei können Substanzen zunächst auf die Innenseite der Verpackung und später in die darin verpackten Lebensmittel gelangen.
Verbraucherministerium schützte Getränkeindustrie
Mehr als drei Jahre verweigerten der frühere Verbraucherschutzminister Horst Seehofer und zuletzt seine Amtsnachfolgerin Ilse Aigner (beide CSU) die Herausgabe von Akten über die Kontamination von Getränkekartonsäften mit Isopropylthioxanthon (ITX) an die DUH. Fünf Gerichtsurteile und eine höchstrichterliche Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes stellten allesamt fest, dass die Auskunftsverweigerung rechtswidrig ist. Die nun herausgegebenen Akten belegen: Den Verantwortlichen lagen bereits seit November 2005 Informationen über Chemikalienbelastungen von Kartongetränken vor. Die wissenschaftliche Datenlage reichte keineswegs für gesundheitliche Unbedenklichkeitserklärungen aus, wie sie das Verbraucherschutzministerium regelmäßig veröffentlichte. Analysen, die die DUH veranlasste, ermittelten Werte in Lebensmitteln, die mit bis zu 405 Mikrogramm je Kilogramm den „Unbedenklichkeitswert“ von 50 Mikrogramm um ein Vielfaches überschritten. Das Verbraucherschutzministerium einigte sich in nichtöffentlicher Abstimmung mit der verantwortlichen Wirtschaft darauf, den Chemiecocktail durch die Kehlen der Verbraucher zu entsorgen, anstatt ITX-belastete Produkte, wie in Italien geschehen, aus den Verkaufsregalen zu entfernen.
Weitere Druckchemikalien im Saft

- Quelle: Pixelio/ Rolf van Melis
Inzwischen werden andere sogenannte Photoinitiatoren für ITX eingesetzt. Im Rahmen der behördlichen Überwachung durch die Bundesländer wurden aktuell neun Photoinitiatoren in Kartonprodukten nachgewiesen. Da diese Stoffe in aller Schnelle ITX ersetzen mussten, liegen auch hierzu kaum Langzeitstudien und ausreichende toxikologische Untersuchungen vor, welche eine gesundheitliche Unbedenklichtkeit garantieren. Laut dem Verbraucherschutzministerium gibt es lediglich für zwei der neun festfestellten Photoinitiatoren toxikologische Daten und behördliche Risikobewertungen. Das Bundesamt für Risikobewertung meint hierzu: "Der Ersatz von ITX durch andere Photoinitiatoren, für die derzeit keine oder keine ausreichenden toxikologischen Daten zur Verfügung stehen, hält das BfR für nicht sachgerecht".
Da sich die Drucktechnologie für Getränkekartons bis heute im wesentlichen nicht verändert hat, muss davon ausgegangen werden, dass auch heute noch Druckchemikalien in Getränkekartonprodukte übergehen. Das ITX-Problem von damals ist auch heute noch aktuell, denn das eigentliche Problem wurde durch den Ersatz von ITX durch andere Chemikalien nicht gelöst. Die DUH fordert, dass ausschließlich solche Chemikalien angewendet werden dürfen, die in Langzeitstudien als nicht gesundheitsschädlich eingestuft wurden.
Aufgrund der derzeit noch ungeklärten Situation hinsichtlich der in Getränkekartonprodukten enthaltenen Druckchemikalien empfiehlt die DUH Getränke aus Glas zu konsumieren. Glas ist absolut neutral und geht keine Wechselwirkungen mit seinem Füllgut ein.
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