Chancen nutzen, Wildnis zulassen

Im Lausitzer Revier in den Ländern Brandenburg und Sachsen hat die Braunkohleförderung eine lange Tradition. Vor allem bis 1989 wurden hier große Mengen des „braunen Goldes“ abgebaut, denn die Energieversorgung der DDR stützte sich vor allem auf diesen umweltschädlichen Energieträger.

Nach der Wende in der DDR sank der Bedarf an Braunkohle als Energieträger und viele Tagebaue wurden geschlossen. Zurück blieben Tagebaurestlöcher und Kippen – die Bergbaufolgelandschaften. Charakteristisch für die gesperrten Bergbaufolgeflächen ist eine mosaikartige Struktur verschiedenster Lebensräume. Dies macht sie für viele bedrohte Arten interessant, die in der normalen, landwirtschaftlich intensiv genutzten Kulturlandschaft oft nicht mehr überleben können.

Der Grundwasseranstieg und die Flutung der Tagebaue sorgen zunehmend für Probleme: Seit 2010 verflüssigt sich der Boden auf einzelnen Flächen, was bereits imposante Erdrutsche und Grundbrüche zur Folge hatte. Große Areale wurden daraufhin gesperrt, um Personen- und Sachschäden zu verhindern. Im Januar 2015 waren in der Lausitz rund 33.000 ha Bergbaufolgeflächen nicht befahr- oder begehbar. Um die Flächen entsprechend den Vorgaben des Bergrechts wieder nutzbar zu machen, ist es notwendig, eine Verdichtung des sandigen Bodens der Lausitz, der infolge der Abbautätigkeiten und durch Wasseranreicherungen zusätzlich an Stabilität verloren hat, zu erreichen.

Hierfür ist die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) zuständig. Auch die Sperrbereiche unterliegen einer geotechnischen Bewertung durch die LMBV.

© Rauhut / DUH

Die Sanierung dieser Gebiete ist jedoch nicht nur ausgesprochen zeit-, sondern auch kostenaufwändig. Allein für die Sanierung des Areals um den Bergener See (ca. 500 ha) im ehemaligen Tagebau Spreetal und ehemaligen DUH-Projektgebiet Lausitzer Seenland werden 110 bis 200 Mio. Euro veranschlagt.

Nicht zuletzt diese unfassbaren Folgekosten des Raubbaus an der Natur waren für die DUH ausschlaggebend, sich mit Alternativen zu befassen. Wildnisgebiete versprechen gleich mehrfachen Nutzen: Zum einen lassen sich Sanierungskosten einsparen und zum anderen das enorme Entwicklungspotenzial der Landschaft bewahren. Wildnisgebiete bedürfen keiner Nutzungsstandards, so dass keine flächenhafte und aufwändige Sanierung notwendig ist. Deshalb möchte die DUH die Politik davon überzeugen, nicht alle gesperrten Flächen zu sanieren, sondern die Natur sich selbst zu überlassen. Die DUH hat die Suchräume identifiziert, die ein entsprechendes naturschutzfachliches Potential aufweisen.