Chance für eine neue EU-Fischereipolitik


Bis 2013 will die EU die Reform ihrer Fischereipolitik abschließen: eine wichtige Zielmarke für Umwelt- und Naturschutzorganisationen. Im Rahmen der Kampagne OCEAN2012 bündeln europaweit Verbände ihre Aktivitäten zur Reform der europäischen Fischereipolitik. Auch die Deutsche Umwelthilfe e.V., Koordinatorin der Kampagne in Deutschland, verfolgt das gemeinsame Ziel einer ökologischen Neuausrichtung der Fischerei mit allem Nachdruck.

"Stoppt die Überfischung" ein Video von Uli Henrik Streckenbach


  
   

Deutsche Ostsee: Ausfahrt am Morgen (© OCEAN2012/Corey Arnold)

Reformbedarf in der Gemeinsamen Fischereipolitik

Dass die meisten bewirtschafteten Bestände in Europa überfischt sind, ist Ergebnis einer in vielfacher Hinsicht fehlgeschlagenen Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) der EU. Rechtlich verpflichtendes Ziel dieser seit 1983 existierenden Politik ist es, die Nutzung von Fischereiressourcen unter wirtschaftlich, ökologisch und sozial nachhaltigen Bedingungen zu gewährleisten. Trotz des besorgniserregenden Zustands der Ressourcen in Europa wird ökologischen Gesichtspunkten noch immer keine Priorität eingeräumt. Stattdessen hat politische Kurzsichtigkeit die europäische Fischerei in einen Krisensektor verwandelt. Zumindest einige der europäischen Fischereiminister haben bei Entscheidungen im Brüsseler Ministerrat mehr die Interessen ihrer heimischen Industrie im Blick als ein stabiles Ertragsniveau zur Versorgung der europäischen Bevölkerung. Um kurzfristig die Lebensfähigkeit von Fischereiunternehmen zu sichern, wurden über Jahre Fangquoten oberhalb der biologisch gebotenen Grenzen festgelegt – noch im Jahr 2010 durchschnittlich 23 Prozent oberhalb der wissenschaftlichen Empfehlungen.

Eine verfehlte Beihilfenpolitik und eine deutlich überdimensionierte EU-Fischereiflotte, Kontrolldefizite sowie der ungewollte Beifang von Nichtzielarten tragen zur Schädigung der marinen Lebenswelt durch die Fischerei bei. Zerstörerische Fischfangmethoden, wie etwa mit Grundschleppnetzen, kommen hinzu. Dabei beschränkt die EU-Fischereiflotte – die drittgrößte der Welt – ihre Aktivitäten nicht auf europäische Gewässer, sondern ist weltweit tätig.

72% der untersuchten Fischbestände in EU-Gewässern sind überfischt (© OCEAN2012/Corey Arnold)

Kurswechsel für eine Erneuerung der europäischen Fischerei (© OCEAN2012/Corey Arnold)

OCEAN2012: Vorschläge für eine reformierte Gemeinsame EU-Fischereipolitik (GFP)

Eine der Kernforderungen der Kampagne lautet, den Zugang zu Fischereien an die Erfüllung ökologischer Bedingungen zu knüpfen – zum Beispiel die Verwendung von Fanggeräten, die den Beifang von Meeressäugern oder Seevögeln minimieren. OCEAN2012 setzt sich auch dafür ein, dass fischereipolitische Entscheidungen auf der jeweils richtigen Ebene – in Brüssel, Berlin oder vor Ort an den Küsten – unter effektiver Beteiligung der Interessenvertreter getroffen werden. Öffentliche Mittel an die Fischereiindustrie sollen nur so eingesetzt werden, dass sie dem Allgemeinwohl dienen. Fangkapazitäten müssen auf ein umweltverträgliches Niveau reduziert werden. Nachhaltige Fischbestände müssen das primäre Ziel sein, denn ohne sie ist eine wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit nicht möglich.

Im Fokus der Reform

Im Fokus der Reform der Gemeinsamen EU-Fischereipolitik (GFP) stehen die Mitglieder des Europäischen Parlaments (MdEPs) und besonders die Mitglieder des Fischereiausschusses. Sie sind diejenigen, die in der nächsten Zeit die kritischen Entscheidungen im Reformprozess treffen werden.

Im Folgenden finden Sie eine Reihe von interessanten Hintergrund-Informationen von der Kampagne OCEAN2012 und ihren NGO-Partnerorganisationen, als Hilfe für die wichtigen Entscheidungen im Reformprozess.

OCEAN2012 & NGO-Hintergrund-Informationen zur GFP-Reform:

UEbersicht_Ziele_OCEAN2012.pdf

Einige Ziele der Organisation sind ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz, verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichen Mitteln, ...

114 K

Beihilfen.pdf

Einsatz von öffentlichen Mittel für eine nachhaltige Fischerei

148 K

Fangkapazitaeten.pdf

Fangkapazitäten nach den natürlichen Ressourcen festlegen

161 K

Governance.pdf

Um nachhaltige Strategien umzusetzen, müssen sie kontrolliert werden

128 K

bevorzugter_Zugang_zu_Ressourcen.pdf

Verantwortungsbewusstes Fischen soll belohnt werden

114 K

oekologische_Nachhaltigkeit.pdf

Die Idee der ökologischen Nachhaltigkeit als übergreifendes Prinzip

127 K

GemeinsamePosition_Umweltverbaende__GFPReform.pdf

Gemeinsame Forderungen für die Verhandlungen der Bundesregierung zur Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik 2012

1.6 M
Ostseefischer mit Dorsch (© OCEAN2012/Corey Arnold)

Die Bundesregierung ist für die Nachhaltigkeit der Fischerei in Europa verantwortlich

Deutschland ist, was seine Fangflotte betrifft, mit etwas über 1.700 Fahrzeugen ein wahrhaft kleiner Fisch: Die Flotte zählt zu den zehn kleinsten der EU. Umgekehrt proportional dazu verhält sich Deutschlands politische Verantwortung für eine Neuausrichtung der Fischerei: Als eines der politischen Schwergewichte hat die Bundesregierung ein erhebliches Potenzial, auf die für 2012 und 2013 in der EU anstehende Reform der GFP positiven Einfluss zu nehmen.

OCEAN2012

OCEAN2012 ist ein stetig wachsender Zusammenschluss von europaweit über 175 Organisationen, die im Rahmen der Reform der europäischen Fischereipolitik Überfischung und destruktive Fischfangmethoden beenden und eine angemessene und gerechte Nutzung der Fischbestände durchsetzen wollen. Mehr Informationen zu OCEAN2012 ...

In Deutschland gehören OCEAN2012 folgende Organisationen an: DEEPWAVE e. V. , Deutsche Umwelthilfe e. V., EuroNatur e.V., Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst e. V., Gesellschaft zur Rettung der Delphine e. V., Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere e. V., M.E.E.R. e. V., Naturschutzbund Deutschland (NABU) e. V., Pro Wildlife e. V. und Reef Check e. V.