Erläuterungen zum Monitoring
Hintergrund
Die 10 Indikatoren im Monitoringsystem aus Kapitel 6 des Fragebogens sind eine Auswahl aus dem sogenannten „Singapur Index der Biodiversität in Städten“ („Singapore Index on Cities’ Biodiversity“, CBI). Der sogenannte „Singapur Index“ wird derzeit unter der Federführung der Biodiversitätskonvention durch ein internationales Expertenteam entwickelt und ist speziell auf urbane Biodiversität abgestimmt. Bei regelmäßiger Neuerhebung erlauben die Indikatoren Trends in der Entwicklung der lokalen biologischen Vielfalt zu erkennen. So lassen sich Fortschritte erkennen oder auch Fehlentwicklungen begegnen.
Der Singapur Index wird derzeit in großen Städten wie Brüssel, Montreal und Nagoya (Japan) getestet. Im Rahmen unseres Projektes kommt er nun in Kommunen aller Größenklassen in Deutschland, Frankreich, Spanien, Ungarn der Slowakei zur Anwendung. Die UN-Biodiversitätskonvention ist in unser Projekt involviert und haben ein großes Interesse daran, die Anwendbarkeit und Alltagstauglichkeit der Indikatoren in Kommunen zu erfahren. Durch das Ausfüllen Kapitel 6 im Fragebogen helfen Sie also maßgeblich dazu bei, den Indikatorensatz zu einem für Kommunen gewinnbringend einsetzbaren Monitoring zu machen.
Als internationaler Indikatorensatz passen nicht alle Indikatoren in allen Ländern gleichermaßen. Daher haben wir von den ursprünglich 25 Indikatoren 10 ausgewählt, die unserer Ansicht nach in Deutschland aussagekräftig sein können. Wir bitten Sie also, den gesamten Indikatorensatz auszufüllen. Auch die fehlende Verfügbarkeit bestimmter Daten ist eine wichtige Information für die Macher des Indikatorensatzes. Wir würden uns auch freuen, wenn Sie das freie Feld im Fragebogen für Anmerkungen und Kommentare zu den Indikatoren nutzen würden.
Datenerhebung und Vergleichbarkeit
Für eine wissenschaftliche Auswertung wäre es natürlich optimal, wenn alle Indikatoren nach genau den gleichen Kriterien in jeder Kommune erhoben würden, um die Werte der Kommunen untereiander vergleichen zu können. Dies ist aus unserer Sicht aber nur für wissenschaftliche Studien möglich, nicht aber für unterschiedliche Kommunen, die sich der jeweils lokal verfügbaren Informationsquellen bedienen müssen. Wir verzichten deshalb auf jeden Vergleich zwischen den Kommunen und werten nur, ob ein Indikator erhoben wurde oder nicht.
Lediglich Indikator 1 wäre für einen solchen Vergleich zulässig, da man ihn genau definieren und vollständig abfragen kann.
Bei den Indikatoren 2 bis 7 hängt es stark davon ab, welche Personen mit welchem Aufwand in welchen Gebieten Arten erfasst haben, oder kurz gesagt: je länger man nach Arten sucht, desto mehr findet man. Daher sind die Ergebnisse der Kommunen untereinander nur sehr eingeschränkt vergleichbar. Dagegen ist innerhalb derselben Kommune ein interner Vergleich zwischen unterschiedlichen Jahren durchaus sinnvoll und denkbar.
Indikatoren sind nur dann nützlich, wenn sie auch interpretiert werden können. Es können nur dann relevante Rückschlüsse gezogen werden, wenn vor Ort mehr als nur die nackte Zahl bekannt sind; gerade für die Biotopvernetzung oder die Bauleitplanung sind auch die Erhebung selbst, sowie Angaben darüber notwendig, welche Arten in welchen Gebieten verschwinden oder neu auftauchen. Hier kann zum Beispiel darauf geachtet werden, ob eine Veränderung der Artenzahl nur auf neue Erhebungen oder auf eine Veränderung der Landschaft zurückzuführen ist.
Bei Indikator 8 (straßenbegleitende Bäume), zum Beispiel, ist eine spätere qualitative Bewertung nur mit Zusatzinformationen möglich: ist die Zahl der Bäume gestiegen, weil neue Straßen angelegt wurden oder weil es Nachpflanzungen gab? Die Daten sollten so aufbereitet sein, dass solche Fragen geklärt werden können. Dies ist wichtiger als die Frage, ob alle Bäume in allen Straßen vollständig erfasst wurden.
Bei Indikator 9 (Fläche Erholungsgebiete pro Anwohner) gibt es sehr viele Definitionen für innerstädtische Erholungsflächen. Um einen Vergleich zwischen den Kommunen zu ermöglichen, müsste man auf die Daten des statistischen Landesamtes zurückgreifen, die Grünflächen ausweisen. Schwierig wird es aber schon bei den Wäldern und Wiesen: in manchen Städten sind innerstädtische Wälder und Auen sehr wichtig für die Erholung, doch werden diese statistisch bei den forst- und landwirtschaftlichen Flächen eingeordnet. Daher muss hier jede Kommune für sich eine sinnvolle Definition finden, in der im besten Fall die einzelnen Flächen in einem GIS-System erfasst sind und zugeordnet werden können. Wichtig ist nur, dass die Definitionen jedes Jahr die gleichen bleiben um Zeitreihen erstellen zu können.
Noch schwieriger ist es, verschiedene Kommunalhaushalte miteinander zu vergleichen (Indikator 10). Umso wichtiger ist aber die Frage, denn die Aussage an das Kommunalparlament, wieviel Geld in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr für den Schutz der Biodiversität ausgegeben wurde, ist lokal von hoher Bedeutung. Wichtig auch hier: die Definition muss die gleiche bleiben.
Wie Sie sehen, versuchen wir das Thema Indikatoren so pragmatisch wie möglich in den Kommunen einzuführen. Denn das Ziel eines jeden Indikatorensystems muss sein, mit so wenig Arbeit wie nötig so viel relevante Information wie möglich zu beschaffen.
Pressemitteilungen
- 02.02.2012 - Städte und Gemeinden gründen Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“
- 01.02.2012 - Grüne Städte braucht das Land – Kongress für „Biologische Vielfalt in Kommunen“ in Frankfurt am Main
- 18.01.2012 - Michael Spielmann folgt Rainer Baake als Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe
- 21.12.2011 - Die große Transformation erfordert mehr politische Steuerung und Ressourceneffizienz
- 20.12.2011 - Jetzt erschienen: Umweltmagazin zeo2 – Sieben Milliarden Menschen und eine Erde


